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Schulgesetze der Schule zu Breitenthal von 1843

(Kreisarchiv Birkenfeld Best. Nr. 3083)

§ 1
Auf das mit der Glocke für die verschiedenen Klassen gegebene Zeichen haben sich die Schüler ohne Säumnisse zur Schule zu begeben, darum vorher sorgfältig die Schulbedürfnisse zu ordnen und an ihrem Körper zu tun, was die Reinlichkeit fordert.

§ 2
Früheres Herumtreiben auf der Straße oder um das Schulhaus ist untersagt.

§ 3
Sechs Minuten nach dem Schulgeläute werden die Schüler verlesen, die Fehlenden in die Versäumnisliste eingetragen und nur erhebliche Entschuldigungsgründe später nachgetragen.

§ 4
Der Eintritt in die Schule wie das Verlassen derselben hat Lärmlos zu geschehen und unter Begrüßung des Lehrers und der Mitschüler.

§ 5
Jeder Schüler nimmt den ihm nach Kenntnissen, Fleiß und sittlichem Betragen bestimmten Platz ein.

§ 6
Während des Unterrichts wird die beste Aufmerksamkeit gefordert. Plaudern, mutwilliges Herumtreiben oder gar Unfug, wodurch auch die Mitschüler gestört werden, werden bestraft.

§ 7
Nur in dringlichen Fällen wird wahrend des Unterrichts Austritt aus der Schule gestattet.

§ 8
Die nötigen Schreibbücher müssen geheftet sein, wenigstens drei Bogen enthalten und daß kein Blatt aus denselben geschnitten werden.

§ 9
Federn, Bleistift, Griffel, Lineal und Schiefertafel dürfen in den sie erfordernden Stunden nicht fehlen und letztere muß mit einem Schwämmchen oder dergl. versehen sein.

§ 10
Bücher und Schriften sind stets reinzuhalten.

§ 11
Liefert der Schüler fremde Arbeiten als die seinigen ein, trifft ihn Strafe wie den, der sie ihm ausführt; einflüstern ist streng untersagt.

§ 12
Kann oder konnte ein Schüler aus irgendeinem Grunde die erhaltene Arbeit nicht vollständig oder gar nicht ausführen, so hat er dem Lehrer davon freimütig Anzeige zu machen.

§ 13
Aufrichtigkeit und Redlichkeit, Verträglichkeit und Friedfertigkeit, Geselligkeit und Dienstfertigkeit gegen jedermann werden dem Schüler in- und außerhalb der Schule zur Pflicht gemacht.

§ 14
Das Lärmen auf der Straße und alles unanständige Betragen ist beim Kommen zur Schule ebenso untersagt wie beim Gehen aus derselben.

§ 15
Die Begegnenden sind stets freundlich zu begrüßen.

§ 16
Auch sonst außer der Schule verübter Mutwille oder Unfug findet angemessene Bestrafung. Dazu gehören: das Necken, Verhöhnen und Schimpfen von Menschen, Beschädigung an Häusern, Gewächsen, Bäumen, Früchten sowie das Ausnehmen von Nestern unschädlicher Vögel. Junge Singvögel dürfen nur von dem Schüler ausgenommen werden, der sie aufziehen und ernähren kann, worüber er sich bei dem Lehrer gehörig auszuweisen hat. Quälerei eines Tieres wird exemplarisch bestraft wie mutwillige und zwecklose Tötung desselben. Verfehlungen solcher Vergehen werden ebenfalls geahndet.

§ 17
Frevel gegen das Eigentum des Nächsten in- und außerhalb der Schule, sie mögen Namen haben, welche sie wollen, sind streng verboten - selbst das Verheimlichen gefundener Gegenstände.

§ 18
Schamhaftigkeit wird von jedem Schüler verlangt. Diese will auch unter anderem, dass keine öffentlichen Wege, Plätze und gangbare Pfade verunreinigt werden.

§ 19
Unanständige Reden und Lieder dürfen die Schüler sich nicht zuschulden kommen lassen; selbst die Gesellschaft, wo sie solche vernehmen, haben sie sogleich zu verlassen.

§ 20
Nur unter Begleitung der Eltern oder des Vormundes dürfen Schüler Tanzbelustigungen zusehen sowie Wirtshäuser oder Schenkzelte (auf Märkten) betreten.

§ 21
Anständige Spiele sind den Schülern erlaubt; jedoch keines um Geld. Das Kartenspiel ist ganz untersagt.

§ 22
Rauchen dürfen die Schüler nicht. Zuwiderhandlungen werden ernstlich bestraft.

§ 23
Der Gottesdienst, und vor allem die Katechisationen, dürfen von den erwachsenen Schülern ohne zureichenden Grund nicht versäumt werden.

§ 24
Unanständiges Benehmen in der Kirche wird in der nächsten Schule gerügt und nötigenfalls bestraft.

Breitenthal, den 21. Juni 1843
(gez.) Engel